top of page
2.png

WARUM ICH JETZT GERADE AUF DEN WEG NACH SANSIBAR BIN...

…allein dass ich diesen Blog schreibe zeigt, dass ich weiss, dass das was ich hier gerade mache, nicht nachhaltig ist. Aber ich habe mich trotzdem entschieden, meinen Freund Kenn für 12 Tage auf Sansibar zu besuchen. Welche Gedanken ich bei der Entscheidung hatte und wie ich für mich entschieden habe, dass es richtig ist, teile ich gerne mit euch.


Diejenigen, die mir jetzt schon eine Weile folgen, wissen, dass ich immer auf der Suche bin nach Kompromissen zwischen meiner Vorstellung von meinem Leben und einem nachhaltigen Lebensstil. Reisen ist mein absoluter Schwachpunkt, ich liebe es reisen zu gehen und ich erkunde gerne die Welt. Hier möchte ich auch keine Abstriche machen, denn sind wir ehrlich, reisen und nachhaltig ist nicht wirklich vereinbar. Vor allem wenn wir von Reisen reden, die einen Flug beinhalten.


Ich setze mich heute in den Flieger um nach Sansibar zu fliegen. Eine tolle Insel, auf der ich tatsächlich bereits vor 5 Jahren mit meinem Mann war, nachdem wir Safari-Urlaub in Kenia und Tansania gemacht haben. Schon damals wohnte mein Freund Kenn dort und arbeitete in einer NGO für Tourismusbildung. Er hat vor ca. einem Jahr angefangen, mit den Aufbauarbeiten für seine eigene NGO, in der er sich dem Thema Bildung noch etwas genauer annehmen möchte. Die Aufgabe der NGO ist es, junge Leute auf Sansibar auszubilden, um ihnen eine bessere Zukunft zu ermöglichen. Und genau diese NGO ist auch der Grund, warum ich nach Sansibar fliege. Ich bin tief beeindruckt, was mein Kumpel dort aufzieht und sehe und höre hautnah, wie viel er dafür aufgibt und wie viel Herzblut er investiert. Und da möchte ich helfen.


In 12 Tagen kann ich sicherlich nicht die Welt unternehmen, aber ich weiss, dass er zur Zeit eine schwere Zeit hat und deshalb möchte ich für ihn da sein. Und das vor Ort. Ihn unterstützen wo ich kann, Ideen austauschen, Leute kennen lernen und mir mit eigenen Augen ansehen, was er geschaffen hat. Es wird also kein Strandurlaub im Clubhotel auf Sansibar, wo ich den Bauch in die Sonne halte und entspanne. Sondern ich möchte Kenn’s Projekt kennen lernen, die Leute, mit denen er zusammen arbeitet und möchte mir selber ein paar Projekte vor Ort ansehen, in denen Menschen ihre eigenen Dinge aufbauen oder Dinge produzieren. Und vielleicht finde ich noch coole Produkte für umdenker.


Als die Idee aufkam bzw. Kenn erwähnte, dass er sich wirklich freuen würde, wenn ich kommen würde, habe ich wirklich überlegt, wie kann ich das unter einen Hut bringen. Sofort hat mein Kopf gemeldet «Birte, das ist wirklich nicht nachhaltig», aber zur gleichen Zeit hat mein Herz gemeldet «Hey, ein Freund braucht dich und du möchtest dir wirklich anschauen, was er da aufbaut». Ein ewiges Dilemma, dass ich nur zu gut kenne. Ich möchte etwas bzw. finde etwas was mich begeistert, aber mein Kopf schreit gleich Stop. Besser geworden ist das nicht, seit ich umdenker gegründet habe. Jetzt habe ich noch häufig das Gefühl, dass ich mich vor euch «rechtfertigen» sollte, weil ich von euch möchte, dass ihr nachhaltiger seid. Und ich möchte euch nicht enttäuschen, und vor allem mich selber ebenfalls nicht. Denn ich möchte nachhaltiger werden und besser werden. Also habe ich mich hingesetzt und mir eine Plus- und Minusliste geschrieben und um ehrlich zu sein, auf der Minusseite stand «nur», dass es eine immense Belastung für die Umwelt ist.


Für mich überwiegen bei dieser Reise die Vorteile. Und so habe ich mich für die scheinbar einfache Lösung entschieden und kompensiere meinen Flug. Dafür habe ich myclimate ausgewählt (dieser Beitrag ist weder gesponsert noch stehe ich sonst in irgendeinem Kontakt mit myclimate). Ich habe schon in meinem früheren Job mit myclimate zusammengearbeitet und finde ihren Ansatz nach wie vor super. Gibt es etwas was nicht vermeidbar ist (und hier meine ich, für mich persönlich nicht vermeidbar), bieten sie Kompensierungen an. Löst dies das Problem? Sicherlich nicht komplett, aber ich finde es ist ein wichtiger Schritt hin zu einer guten Lösung.

Neben den Kompensierungen bildet myclimate viele Menschen über das Thema Klima, Klimawandel etc. weiter, sodass das Bewusstsein gestärkt wird.


Ich habe also auf ihrer Webseite den Klimarechner fürs Fliegen angeklickt, meine Strecke eingegeben und dann wurde mir erst einmal erzählt, dass mein Flug nach Sansibar 2,5 Tonnen CO2 ausstösst. Wow! Mein Kopf hat sofort protestiert: der ideale Jahresverbrauch einer Person sollte bei 2,1 Tonnen CO2 liegen und ich überschreite diese Summe nur mit einem Flug. Erschreckend und ich kann euch sagen, ich habe mich sofort ein wenig geschämt, dass ich diese Entscheidung getroffen habe und meinen Flug gebucht habe. Ich hatte im ersten Moment ein wenig das Gefühl, dass ich mir ein gutes Gewissen kaufe und nicht genug tue. Aber dann habe ich ein wenig darüber nachgedacht und mir überlegt, ob das wirklich so ist. 

Ja, wir verbrauchen alle viel zu viel CO2 und wir schaden damit unserer Erde langfristig. Und ja, ich leiste meinen Teil dazu. Denn sind wir ehrlich, selbst ohne diesen Flug nach Sansibar ist mein ökologischer Fussabdruck grösser als er sein sollte. Das liegt grossenteils an meinen persönlichen Entscheidungen, aber hier muss man fairer Weise sagen, nicht zu 100%. In diesen Momenten versuche ich die Situation positiv zu sehen, ohne sie mir schön zu reden. Natürlich kann ich sagen, ich mache schon so viel mehr als andere Menschen, aber das bringt mir persönlich in meinen Augen eher wenig. Was mir hilft, ist mir zu verdeutlichen, was ich mittlerweile besser mache als vorher. Denn das einzige was ich ändern kann, ist mich selber.


Und ich habe mir auch für dieses Jahr wieder Ziele gesteckt, wie ich nachhaltiger werden möchte. Ich sage es immer wieder, nachhaltig leben ist für mich eine Entwicklung, ein Marathon. Und vor allem ein stetiger Prozess. Es wird immer Dinge geben, die ich besser machen kann und ich bin stolz darauf, zu sagen, dass ich mir dieser Dinge bewusst bin und sie mir Schritt für Schritt vornehme. Und irgendwann werde ich meine jetzigen Ziele erreicht haben, aber fertig bin ich dann noch immer nicht. Und das ist ok. Ich freue mich sogar darauf, dass uns immer mehr Möglichkeiten zur Verfügung stehen werden, wie wir nachhaltiger leben können und uns in unserem Lebensstil verbessern können.


Dieser Blog ist nicht nur eine Rechtfertigung meines eigenen Verhaltens euch gegenüber, sondern soll euch auch motivieren. Was immer ihr tut, es ist wunderbar und ein Schritt in die richtige Richtung und ich bin stolz auf euch. Wie sagt man immer so schön «Einsicht ist der erste Schritt zur Besserung» und daran glaube ich ganz fest. Wenn man sich seiner «Fehler» bewusst ist, dann findet man für sich auch Lösungen, die passend sind.

Wie immer, würde ich mich freuen, wenn ihr euren Senf zu dem Thema dazu gebt und mich wissen lasst, ob ihr dieses Problem besser löst oder Tipps habt für mich, wie ich es besser machen kann.

Comments


bottom of page