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WIE STEHT ES EIGENTLICH UM DIE NACHHALTIGEN ENTWICKLUNGSZIELE 2030?

2015 wurde die Agenda 2030 verabschiedet. Man einigte sich auf einen Entwurf, der sicher stellen kann, dass es einen Fokus auf Nachhaltigkeit in dieser Welt gibt, dass alle Menschen gleichberechtigt Zugang zu Wohlstand haben und auf einem gesunden Planeten ein produktives, lebendige und friedliches Leben führen können. Nun sind es nur noch 9 Jahre, bis diese Ziele umgesetzt sein sollen. Wie steht es nun also um die Fortschritte? Wo gibt es Bedarf zur Verbesserung und wo stehen wir bereits gut da.Diese Auseinandersetzung mit der Agenda 2030 orientiert sich vor allem am Bericht 2019 der Vereinten Nationen zu den Zielen für nachhaltige Entwicklung. Den vollständigen Bericht und alle Details findet ihr hier.


Ziel 1: Armut in allen Firmen und überall beenden

Weiterhin ist die ländliche Bevölkerung am stärksten von Armut betroffen. Wer von Armut betroffen ist, steht in einem klaren Zusammenhang mit der Arbeit. Doch nicht jeder Arbeitsplatz ermöglicht ein menschenwürdiges Leben. Es gibt immer noch viele Menschen, die trotz einer regelmässigen Arbeit mit weniger als $1,90 pro Tag auskommen müssen. Zwar gibt es weltweit viele Sozialschutzleistungen, diese können aber nach wie vor nur rund 45% der Bevölkerung erreichen. So entsteht vor allem bei Kindern eine Versorgungslücke, die dazu führt, dass vor allem Kinder überproportional oft in Armut leben müssen. Die Situation wird weiter angespannt durch klimabedingte Katastrophen. Alleine in den letzten 10 Jahren sind wirtschaftliche Schäden in Höhe von 3 Billionen Dollar entstanden. Diese Schäden wirken sich auf Arbeitsplätze und Hilfestellungen aus und treffen somit wieder diejenigen, die eh bereits schon schwere Zeiten durchleben. Auch wenn dies nur ein Tropfen auf dem heissen Stein zu sein scheint, konnten sich immerhin mehr als 1 Millarde Menschen in den letzten 25 Jahren aus der Armut befreien. Das dies noch lange nicht reicht, muss hier erst gar nicht erwähnt werden. 


Ziel 2: Den Hunger beenden, Ernährungssicherheit und eine bessere Ernährung erreichen und eine nachhaltige Landwirtschaft fördern

Leider steigt seit 2014 die Zahl der Hungernden weltweit wieder. Beobachtungen zeigen, dass eine allgemeine Fehlernährung problematischer wird. Kindern weisen mehr Zeichen von Mangelernährung auf, was langfristig gesundheitliche Folgen und Entwicklungsverzögerungen hervorruft. Ältere Menschen hingegegen leiden in immer mehr Ländern an Übergewicht und an damit verbundenen Langzeitfolgen. Die meisten Hungernden leben in Afrika, genauer gesagt südlich der Sahara. Gefolgt wird diese traurige Statistik von Südamerika. Gerade in Afrika und Südamerika gibt es zunehmend Probleme mit der Verteilung von Lebensmitteln und der Produktion generell. So kommt es zum allgemeinen Preisanstieg, was zu mehr Hungernden führt. 


Ziel 3: Ein gesundes Leben für alle Menschen jeden Alters gewährleisten und ihr Wohlergehen fördern

Fangen wir mit etwas Positivem an: die Lebenserwartung steigt, die Mütter- und Kindersterblichkeit bei der Geburt sinkt. Doch – und leider kommt hier ein dickes Aber – mangelt es der Hälfte der Weltbevölkerung an einer vernünftigen Grundversorgung. So resultieren medizinische Notfälle vermehrt in finanzieller Not und langfristig in Armut. Und das betrifft nicht nur Länder, welche unterentwickelt sind. Das generelle Problem ist oftmals Personal und das nötige Knowhow um Vorsorge richtig zu betreiben. In den am wenigsten entwickelten Ländern ist auch ein Anstieg an Krankheiten zu vermelden, für die es bereits Impfungen gibt. Doch scheint Impfschutz nicht auf der Prioritätenlisten dieser Länder zu stehen.


Ziel 4: Inklusive, gleichberechtigte und hochwertige Bildung gewährleisten und Möglichkeiten lebenslangen Lernens für alle fördern

Der Bericht stellt klar, dass weltweit Kinder durch Bildung nicht unbedingt optimal auf die aktuellen Herausforderungen in ihrem Leben sowie die aktuelle Jobsituation vorbereitet werden. Dabei wird vor allem die frühkindliche Bildung vernachlässigt. In ärmeren Ländern ist diese Situation noch viel heikler. Dort mangelt es oftmals an Lehrkräften und Einrichtungen. So ist das Gefälle der Bildung immer noch sehr mit dem Wohlstand eines Landes verknüpft. 


Ziel 5: Geschlechtergleichstellung erreichen und alle Frauen und Mädchen zur Selbstbestimmung befähigen

Generell hat sich die Situation für Frauen weltweit verbessert. Es gibt weniger Frühehen, in die Mädchen gezwungen werden. Mehr Frauen sind in Führungspositionen zu finden. Doch leider gleichbleibend ist die Situation in Hinblick auf Gewalt gegen Frauen, die Unterrepräsentation in bestimmten Bereichen sowie die Diskriminierung bei der Entscheidungsautonomie. Mädchen und Frauen dürfen weniger oft selbständig Entscheidungen treffen in Bezug auf ihr Zuhause, ihre Arbeit und leider auch das politische Umfeld, in dem sie leben. 


Ziel 6: Verfügbarkeit und nachhaltige Bewirtschaftung von Wasser und Sanitätsversorgung für alle gewährleisten

Der Bedarf an Wasser steigt schneller als die Bevölkerung selber. Dies kann mittelfristig nur zu Problemen und Ungerechtigkeiten führen. Angespannter wird die Situation, da die Erde in den letzten 100 Jahren 50-70% ihrer Feuchtgebiete verloren hat. Die Fokussierung auf Trinkwasser-Zugang hat funktioniert. Immer mehr Menschen können sich auf Zugang zu sicheren Trinkwasserquellen verlassen, doch sind es insgesamt immer nur noch 71%. Das heisst, dass 29% der Weltbevölkerung gesundheitlich gefährdet sind, weil sie Wasser trinken müssen, das potentiell krank macht. Ebenso beängstigend finde ich die Erkenntnis, dass mittlerweile jeder Erdteil von Wasserstress betroffen ist. Das bedeutet, dass es regelmässig Knappheiten bei der Wasserversorgung gibt. 


Ziel 7: Zugang zu bezahlbarer, verlässlicher, nachhaltiger und moderner Energie für alle sichern

Unser Zugang zur Energie steigt. Vor allem auch der Anteil an nachhaltiger Energie steigt. Leider scheint dies zu bedeuten, dass Bemühungen, die restlichen 3 Milliarden Menschen ebenfalls mit effizienter Energie zu versorgen, nachlassen. Diese 3 Millarden Menschen müssen nach wie vor mit nicht sauberen Brennstoffen und mangelnden Technologien kochen und sind so stetig unnötigen Gefahren ausgesetzt. 


Ziel 8: Dauerhaftes, breitunwirksames und nachhaltiges Wirtschaftswachstum, produktive Vollbeschäftigung und menschenwürdige Arbeit für alle fördern

Die Wirtschaft wächst, aber leider nicht schnell genug, sodass jeder davon profitieren kann. Gerade die informelle Beschäftigung scheint schwer in den Griff bekommen zu sein. Genauso wie das anhaltende Lohngefälle zwischen Männern und Frauen. Für mich persönlich tut sich hier die Frage auf, in welchem Bereich dann die Wirtschaft wächst? Und vor allem wie. Und warum haben manche Unternehmen immer noch nicht verstanden, dass Wachstum nicht alles ist und wir viel mehr Fokus auf nachhaltige Geschäftspraktiken legen sollten.


Ziel 9: Eine widerstandsfähige Infrastruktur aufbauen, breitunwirksame und nachhaltige Industrialisierung fördern und Innovation unterstützen

Wir sind noch weit entfernt davon, dass Potential für eine nachhaltige Industrialisierung auszuschöpfen. Gerade die am wenigsten entwickelten Länder haben Aufholbedarf. Es fehlt an der Unterstützung für Kleinunternehmen. Vergleichende Unterschiede finden sich bei der Ausgabe für Forschung und Entwicklung. Diese sind mit 2 Billionen Dollar pro Jahr hoch, doch fallen diese hauptsächlich auf die entwickelten Länder zurück. Dort geht die Entwicklung also voran, in den anderen Ländern aber leider nicht.


Ziel 10: Ungleichheit innerhalb von und zwischen Staaten verringern

Bei der Verteilung von Wohlstand gibt es nach wie vor sehr unterschiedlichen Fortschritt. Die Einkommensschere geht weltweit immer weiter auf. So ist es nach wie vor sehr wichtig, dass Länder, in denen das Einkommen generell niedrig ist, präferenzielle Handelsregelungen bekommen und so überhaupt eine Chance auf dem weltweiten Markt haben. Wie sehr die Abhängigkeit dann jedoch die Entwicklung hindert, ist immer wieder diskutiert. 


Ziel 11: Städte und Siedlungen inklusive, sicher, widerstandsfähig und nachhaltig machen

Ich glaube es überrascht niemanden, dass immer mehr von uns in Städten wohnen. Über 50% von uns, um genau zu sein. Die Städte dieser Welt produzieren 60% des BIP, jedoch auch 70% der CO2-Emissionen und verbrauchen 60% aller Ressourcen. Es gibt immer mehr Probleme, angemessenen und bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Und auch die Problematik mit Müll und Luftverschmutzung ist weit davon entfernt gelöst zu sein. Ich frage mich persönlich, ob vielleicht das Jahr 2020 hier eine Veränderung gebracht hat. Durch die Coronakrise und damit verbundene Änderungen im Alltag scheinen ja doch mehr Leute wieder Interesse am Landleben zu haben.


Ziel 12: Für nachhaltige Konsum-und Produktionsmuster sorgen

Ja, es werden mehr nachhaltige Rohstoffe und Ressourcen eingesetzt, jedoch produzieren wir immer noch mehr Abfall. Das liegt wohl daran, dass ca. 1/3 aller Konsumgüter verloren gehen, verschwendet werden und einfach gleich in den Müll wandern. So ist der Material Fussbadruck jedes einzelnen von uns viel zu hoch. Alles was man hier sagen kann: Hört auf so ein Mist zu kaufen, denn dann hören sie auch auf diesen zu produzieren! 


Ziel 13: Umgehend Massnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels und seiner Auswirkungen ergreifen

Der Klimawandel schreitet schneller voran als wir gedacht haben und wohl auch, als uns allen wohl ist. Die Veränderungen, die gemacht werden, sind schleppend und schwerfällig, wenn es um die Implementierung geht. Durch die zurecht wachsende Angst und Sorge vor Klimakrisen, investieren die Länder nun zunehmend in Katastrophenvorsorge. Zur Zeit scheint es noch nicht so zu sein, dass das im Umkehrschluss bedeutet, dass Investitionen in Klimaschutzmassnahmen zurück gehen. Denn das Problem ist noch lange nicht gelöst.


 Ziel 14: Ozeane, Meere und Meeresressourcen im Sinne nachhaltiger Entwicklung erhalten und nachhaltig nutzen

Ozeanversauerung, ansteigender Meeresspiegel, Küstenerosion – alles Worte, die wir leider immer noch kennen müssen. Denn um unsere Meere und Ozeane steht es nicht gut. Wie soll die Situation aber auch besser werden. Wir überfischen die Meere, Verschmutzen sie zusätzlich und Zerstören damit Lebensräume. Die, unter anderem, daraus resultierende Versauerung bedroht Tiere. Die Folge ist, dass diese nicht mehr dazu beitragen können, dass sich das Ökosystem Meer selber hilft und reguliert. Doch nicht alles ist fürchterlich. Die Tatsache, dass 104 von 220 Küstenregionen in den letzten Jahren die Qualität des Küstenwassers erheblich verbessern konnten, gibt ein wenig Anlass zur Hoffnung. 


Ziel 15: Landökosysteme schützen, wiederherstellen und ihre nachhaltige Nutzung fördern

Wir hören oft, dass wir weniger Wald verlieren. Doch sind wir ehrlich, es ist immer noch viel zu viel. 1 Millionen Pflanzen und Tiere sind vom Aussterben bedroht. Hier ist mehr denn je ein Bedarf für Notfallmassnahmen und einen raschen Schutz. 


Ziel 16: Friedliche und inklusive Gesellschaften für eine nachhaltige Entwicklung fördern

Wenn es um die Beendigung von Gewalt geht, die Förderung von Rechtsstaatlichkeit, die Stärkung der Institutionen und die Verbesserung zum Justizzugang kann leider keine Verbesserung beobachtet werden. Ganz im Gegenteil: wir haben einen traurigen Tiefstand erreicht. Mehr Menschen denn je fliegen aktuell vor Krieg und Konflikt. Dass dies Konflikte mit sich bringt und auch die anderen Länder betrifft scheint selbsterklärend.


Die Agenda 2030 gibt verschiedenste nachhaltige Ziele vor. 2030 ist bald und wir schauen gemeinsam, wo genau wir denn in der Erreichung der Ziele stehen.

Die Hilfszuwendungen der Länder untereinander sinken ein wenig. Der Fokus scheint jeweils auf die einheimischen Ressourcen zu liegen. Ob das fördert oder hindert ist noch nicht absehbar. Jedoch glaube ich persönlich, dass nur ein gemeinsamer Ansatz wirklich helfen wird. Wenn man sich durch diese Berichte arbeitet, wird eines klar: Wir sind noch weit davon entfernt unsere Ziele zu erreichen. Und leider muss ich sagen, dass ich persönlich bezweifle, dass alle Ziele bis 2030 überhaupt erreicht werden können. Ich möchte gar nicht sagen, dass es grundlegend an einer falschen Politik liegt. Sicherlich haben auch Faktoren wie die Corona-Krise oder andere Katastrophen einen grossen Einfluss auf Erfolg oder Misserfolg. Ich beobachte diese Entwicklung auf jeden Fall sehr gespannt und hoffe, dass die Welt es schafft, sich selber zu retten!



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